Samstag, 22. Juni 2013

Sonntag, 16. Juni 2013

Mein erster Tag für den Knast!

Heute und gestern war ich bei einem Einführungskurs mit dem Titel "Warum will ich in den Knast?", welches vom "Fortbildungsverbund Straffälligenhilfe in Baden Württemberg" abgehalten wurde.

Eine gute Frage. Eine sehr gute Frage. Warum will ich in den Knast? Dieser Gedanke kam mir schon vor ein paar Jahren in den Sinn. In den Knast zu gehen! Damals, als ich mit der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) in Berührung kam. Damals war der Gedanke, diese GFK den Inhafierten näher zu bringen. Weil in mir der Gedanke keimte, dass die Exekutive und die Justiz "willkürlich" mit den (Grund)rechten der Inhaftierten umgehe. Ich wollte den Inhaftierten eine Sprache nahebringen wie sie gegen diese Willkür "gewaltfrei" angehen können.

Der Gedanke (v)erblasste nach und nach. Da ich merkte, dass es ziemlcih schwierig ist in den Knast zu kommen. Ich verstand dies nicht. Wieso hält man den Inhaftierten diese Möglichkeit vor? Wieso ist es so schwer da rein zu kommen. Ich verstand das nicht.

Einige Jahre später - Anfang des Jahres - prüften meine Assistentin und ich, wie wir unser Thema - die GFK - auch in die Menschen herantragen können, die sich (meine) Seminare nicht leisten können. Und da kam das Thema "Ehrenamt" auf. Meine Assistentin meinte:" Wieso etwas neu erfinden, wenn es das Ehrenamt gibt?"

Also kümmerte ich mich um das Ehrenamt in meiner Umgebung. Und ich stieß auf die JVA Heimsheim. Nach änfänglichen Schwierigkeiten wurde ich zu diesem Kurs eingeladen. Kosntenlos!


Ich habe mich sofort angemeldet. Ohne darüber nachzudenken. Und so besuchte ich diesen Kurs gestern und heute.

Und ich bereue es nicht. Kein bisschen. Meine "kostbare Zeit" in diesem Kurs verbracht zu haben. Denn es wurden für mich einige Dinge klar, die ich vorher unlogisch und "würdelos" empfand. Ich will nicht sagen, dass es aus meiner Sicht, keine "würdelose" Handlungen gibt. Nur weiß ich weshalb diese so geregelt werden. Ich erfuhr den Unterschied zwischen lebenslänglich und lebenslänglich lebenslänglich und Sicherheitsverwahrung (SV). Ich erfuhr weshalb es diese SV gibt und welche Regularien greifen müssen, bevor jemand in SV geschickt wird. Ich erfuhr, dass Zigaretten und Briefmarken DIE Währung im Knast ist und weshalb wir Gefangenen KEINE Zigaretten und Briefmarken mitbringen dürfen. WAS, schrie ich auf. Warum nicht? Es erschien mir nicht nachvollzihbar. Die Antwort war ernüchternd. Diese Währung bedeutet im Knast "MACHT". Je mehr ein Insasse davon "besitzt" desto mehr Macht heat er. Imn jedem Sinne. In die eine und in die andere Richtung.

Ich erfuhr den Unterschied zwischen Mord und Totschlag. Den Unterschied zwischen einer Straftat und keiner Straftat. Z.B. ist Flucht per se KEINE Straftat. Das ist in Deutschland ein "Menschenrecht". Die (Um)Wege und die Umstände die zur Flucht führen, können eine Straftat bedeuten.

Ich habe erfahren, dass es eine Parallelwelt existiert. Für den der von draußen kommt, ist der Knast eine Parallelwelt. Und für den Knacki ist die Welt da draußen eine Parallelwelt.

Ich habe erfahren welche Tricks und Kreativität sich mancher Inhaftierter einfallen lässt, um "verbotene" Sachen in seiner Zelle zu verstecken. Welche Weg es gibt, von außen "Schmuggelware" nach innen zu bringen. Eine externe Besucherin wurde "verpfiffen", dass sie vorhabe Ware in den Knast zu schmuggeln. Sie holte aus ihrwer Vagina ein Kondom mit 500 Tabletten. Weil man ja weiß, dass die Körperöffnungen externe Besucher NICHT durchsucht werden.

Ich habe selbstgemachte Tauchsieder (aus einem Kabel) gesehen, selbstgemachte Spritzen (aus ein bisschen Plastik und einer Schraube), selbstgemachte Pfeiffen fürs Rauchen (Hasch und/oder Marihuanna). Es ist einfach kreativ :-). aus einer Stinknormalen NähNadel und ihrem Rasierer wird eine Tätowiermaschine gemacht. Und die tätowieren sich alle und bekommen so AIDS und/oder Hepatitis. Weil die Nadel nicht sterili gemacht wird. Deshalb sind solche Nadeln auch verboten.

Deshalb gilt die Regel "Nichts rein und nichts raus!".

Ich habe auch erfahren, dass viele Inhaftierte sich auch jemand von da draußen wünschen, der nicht Bediensteter ist, der ihnen einfach nur zuhört. Bei diesem Zuhören ist jedoch sehr große Vorsicht geboten. Denn es gibt Inhaftierte, die wissen es sehr gut auszunutzen und ihrem Betruer mit Aufgaben zu betreuen, die die Anstallt ihm verbieten würde.

Ich habe wirklich so viel gelernt. Zu verstehen. Ich finde es sehr spannend. Und habe mich entschlossen "ehrenamtlich" für den Knast zu arbeiten.

Ich empfehle jedem diesen Kurs mitzumachen. Alleine aus der Tatsache, dass einige Vorurteile im Keim erstickt werden. Jedoch argumentativ!

(c) georg mouratidis

Freitag, 7. Juni 2013

Ich dachte halt

Heute ist eine Dame zum Einarbeiten und Probearbeiten gekommen. Ich habe ihr als aller erstes, dass Dokument gezeigt in dem die Liste der Unternehmen ist, welche sie anrufen soll.

Ich erklärte ihr jede einzelne Spalte. Wie sie wo was eintragen soll, damit es "rund" läuft.

Dann zeigte ich ihr meinen Terminkalender in dem sie - wenn ein Termin zustande kommt - diesen hier einträgt.

Während meiner Einweisungen spürte ich eine Unsicherheit in ihr aufkommen.

Sie sagte mir, dass sie zwar mit einem Computer umgehen kann, aber was ein Account ist, wisse sie nicht.

Ich unterbrach diese Einweisung und fragte sie: "Sagen Sie mir bitte mit Ihren Worten was bei Ihnen angekommen ist von dem was ich Ihnen erzählt habe und zeigen Sie es mir im Dokument?"

Die Frau erzählte so viel was mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun hatte. "Wie in der Schule!" meinte sie.

Ich unterbrach sie indem ich sagte:"Schauen Sie bitte nicht mehr auf das Dokument. Schauen Sie mich an bitte. Erzählen Sie mir was Sie verstanden haben ohne auf das Dokument zu schauen. Einfach auf mich schauen und erzählen.

Sie konnte es nicht.

Ich habe ihr noch zum Schluss den Telefonleitfaden gezeigt. Und ich merkte, dass sie dabei schluckt.
"Sind Sie sicher, dass Sie das machen wollen?" fragte ich sie.

Sie erzählte mir über ihre momentante "private" Situation. Dass sie im Trennungsjahr ist und endlich raus möchte. "Ich dachte halt, ich könnte es!" sagte sie.

"Wissen Sie" sagte ich zu ihr "Sie sind noch labil um offen am Telefon mich zu repräsentieren! Wie sehen Sie das?"

"Ja, Sie haben recht" sagte sie "ich bin wohl noch nicht so weit. Noch nicht. Vllt. später mal, aber ich glaube ich bin nicht so weit. Ich dachte hatlt ich könnte es!"

Ich habe ihr ein Podcast auf meiner Homepage abgespielt.
Nachdem sie das gehört hatte, schaute sie mich an und sagte: "Herr Mouratidis, während das so lief ist mir eins klar geworden. Das ist nicht das was ich machen will. Ich möchte wie Sie Menschen ansprechen und evtl. Solche Veranstaltungen organisieren. Ich danke Ihnen dafür. Jetzt weiß ich zu mindest, dass es nichts für mich ist. Dieses Telefonieren!"

"Das freu tmich sehr, wenn Sie diese Erkenntnis bekommen haben. Ich habe da eine Idee" sagte ich zu ihr und erzählte ihr über meine neue Idee meine Dienstleistung in Form einer Homeparty abzuhalten. Sie war Feuer und Flamme und wir haben uns darauf geeinigt, dass sie jetzt diese 1. GFK-Homeparty organisieren darf und wird.

Ich freue mich sehr, dass das so gelaufen ist. Und ich machte mir vorher bereits Gedanken wie und ob ich ihr vorher absagen soll. Noch bevor ich sie gesehn hatte. Denn am Telefon merkte ich bereits ihre Unsicherheit. 

Ich dachte halt!

Und bin froh, dass ich ihr nicht vorher abgesaht habe.
 
Tja, wie sagt einer meiner Lieblingsphilosophen? "Das Leben passiert während du es planst!"

Ich bin der Überzeugung – wie ich auch die Erfahurng mit dieser Dame gemacht habe – dass es auch in Unternhemen/Wirtschaft möglich ist, Menschen dabei zu unterstützen für sich herauszufinden was sie wollen und was sie nicht wollen. Wie sich gezeigt hat – bei uns – konnten wir Gemeinsamkeiten für eine Unterstützung herausfinden. 

Hätte ich dieser Dame von vornherein abgesagt, oder das Gespräch sofort beendet, weil ich über sie “urteilte”, dann hätten wir beide nichts davon gehabt.
Jetzt habe ich jemanden der Meine Idee umzusetzen versucht und die Dame hat eine Aufgabe die sie mit viel Begeisterung machen möchte. Ich bin begeistert.
“Jaja, die Zeit. Ich weiß!”


(c) georg Mouratidis

Montag, 3. Juni 2013

Ganz schön mutig...

...sagte mir heute ein XING-Kontakt am Telefon, nachdem ich ihm und einen Teil meiner anderen Kontakte per PN angekündigt habe, dass ich mich gerne mit ihnen austauschen möchte.

Ich fragte ihn:"Ganz schön mutig im Sinne von: 'Ganz schön mutig, da das keiner macht', oder ganz schön mutig im Sinne von:'Ja, da könnten evtl. Synergien drin stecken. Lass uns mal schauen'?".

"Eher das Erstere", sagte er. "Doch ich finde es wirklich mutig, denn das ist doch der Sinn einen Netzwerkes!"

"Finde ich auch" sagte ich ihm "ich möchte mich gerne mit meinen Kontakten austauschen und Synergien schaffen und nicht Kontakte sammeln von denen ich gar nicht weiß, was diese tun. Und so evtl. vorhandene Gemeinsamkeiten bündeln!"

Wir tauschten uns aus. Jeder erzählte was er geschäftlich macht, wo seine Kernkompetenzen liegen und darüber hinaus konnten wir uns ein Bild darüber machen, ob wir uns gegenseitig unterstützen können. 

Hätte ich diese Aktion nicht gemacht, dann hätte ich zwar ein Kontakt, doch ich wüsste nicht was er "arbeitet". Wozu denn sonst ein Netzwerk, wenn es nicht wirklich genutzt wird?

Dieser Spruch: "Kontakte schaden nur dem der sie nicht hat" ist für mich sowas von inflationär genutzt und Quatsch, denn was nützen  mir Kontakte wenn ich sie nicht "nutze". Wenn ich ihre Stärken nicht kenne und diese nicht meine?

Dieser Netzwerkgedanke der ist nicht neu. In Griechenland - ich bin Grieche - war das vor einigen Jahren Gang und gebe.

So nach dem Motto: "Du Georg, ich suche jemanden der mir Türen verkaufen kann. Hast du Jemanden? Ich brauche 10."

"Ja klar! Melde dich doch bei XY!"

"Du XY, ich brauche jemanden der mir die Türen auch günstig einbaut. Kennst du jemanden?"

"Nein, leider nicht, aber ich kenne jemanden der vllt. jemanden kennt. Gib mir ein paar Tage Zeit und ich melde mich bei dir!"

Das, und nur das ist für mich Netzwerk! Ich beobachte wie einige die ich angeschrieben habe mein Profil besuchen, aber sich nicht melden. Und den Kontakt löschen sie auch nicht. Ich frage mich, welchen Nutzen sie denn dann von mir haben?" -> "Keinen!"

Ich werde diese nach und nach löschen, weil ich auch keinen Nutzen von ihnen habe!

(c) georg mouratidis